Terceira Liberale

Von: Francisco Maduro-Dias, 63 Jahre, Museologe und Leiter des Kulturamtes

Man stelle sich vor, dass eines Tages die Wirklichkeit aufhören würde zu existieren und dass das Leben – das ganze Leben – komplett die Richtung ändern würde.

Das war genau das, was in Angra – so wurde sie nur genannt – während des Bürgerkrieges in Portugal zwischen 1828 und 1834 geschah, als diese kleine, stolze Stadt, während das Land zu Eisen und Feuer griff, gleichsam über Nacht zur Hauptstadt des Königreiches Portugal wurde. Sie stand auf Seiten der Verfassung und der jungen Königin Maria II und verfügte über eine Militärbasis.

Ursache für all das waren zwei Brüder, die Prinzen Pedro und Miguel, ähnlich in vielem und in ihrer Lebensart, aber verschieden in ihrem Denken und ihren Idealen.

Pedro erwirkte die Unabhängigkeit Brasiliens und erschuf dort ein Reich, für das er eine Verfassung einführte. Dann rief er dazu auf, die gleichen liberalen  Verfassungsprinzipien auch im alten Königreich Portugal zu verteidigen, wo vor allem in den Städten die Folgen der französischen Invasion und des Machtmissbrauchs durch die präsenten englischen Truppen Unruhen hervorbrachten.

Miguel seinerseits war ein eifriger Verteidiger der traditionelleren Regierungsform und stand auf Seiten des alten Regimes, das nach dem Fall Napoleons an die Macht zurückgekehrt war. In Portugal war das Volk, vor allem die Landbevölkerung, vollkommen auf seiner Seite, aber auch viele Intellektuelle, Anhänger der absolutistischen Monarchie.

Miguel übernahm im Juni 1828 in Lissabon die Macht und sofort flüchteten viele Anhänger der liberalen Ideen und der Verfassung nach Terceira, im Bewusstsein, das die Bevölkerung überwiegend „miguelistisch“ war,  und ließen sich dort nieder, unterstützt von einer örtlichen Zelle des Liberalismus‘.

Es sollten fünf Jahre ins Land gehen, in denen alles mögliche passierte: Gefechte und Scharmützel, tiefgreifende Gesetzesänderungen, aus Glocken gegossene Münzen, ausgelöschte Konvente, Einquartierung von Heeren, Kasernen allerorts, abenteuerlustige Guerillas, eine unerklärliche Belagerung durch die Engländer, Brandstiftung an Häusern von Widerständlern, um ein Exempel zu statuieren, literarische Abende.

Angra und die Insel Terceira waren ins Zentrum eines Kampfes gerückt, der Portugal, Brasilien und Machtinteressen des Auslandes, wie Frankreich und England, umfasste.

Schlussendlich änderte sich der Name zu Angra do Heroísmo und Praia wurde zu Praia da Vitória.

Die „Mausefalle“, wie sie von den Miguelisten und Ungläubigen genannt wurde, verwandelte sich in einen „Felsen der Freiheit“. Die gelbe Pyramide auf der Spitze eines Hügels ist eine „Erinnerung“ an diese wahrlich verrückten Jahre und an die Erlangung der Verfassungsfreiheit Portugals.

Nützliche Informationen

Empfohlene Zeit: 2 Tage oder mehr

Schwierigkeitsgrad: Leicht

Kleidung: Der größte Teil des Weges führt über Straßen der Insel, die alle in gutem Zustand sind, auch wenn immer bequemes Schuhwerk ratsam ist.

Öffnungszeiten:  Der Rundgang ist zu jeder Zeit des Jahres möglich. Es ist aber wichtig, auf eventuell auftretende Wechsel der Öffnungszeiten zu achten. Viele der Monumente sind an Wochenenden und Feiertagen geschlossen.

Reservierungen: So man frühzeitig mit Hilfe einer Reiseagentur oder direkt mit einem Reiseleiter plant, ist es möglich, entlang des Weges einige Aktivitäten einzubinden.

Downloads:
Broschüre „Das liberale Terceira